Kanton St.Gallen: Polizeihunde im Einsatz – so arbeitet das Diensthundewesen

Zu Besuch bei Reto Wehrle, Leiter Diensthundewesen: Als Leiter des Diensthundewesens trägt Reto Wehrle die Verantwortung für Ausbildung, Planung und Weiterentwicklung der Polizeihunde.

Währenddessen steht er selbst mit seinen zwei Hunden regelmässig im Einsatz. Zwischen strategischer Führung, intensiver Ausbildung und praktischer Arbeit an der Front verbindet er Organisationstalent mit echter Leidenschaft für den Polizeidienst auf vier Pfoten.

Seit 2024 leitet Reto Wehrle das Diensthundewesen der Kantonspolizei St.Gallen. Gemeinsam mit seinem Stellvertreter und insgesamt 27 Hundeführerinnen und Hundeführern sorgt er dafür, dass die vierbeinigen Polizeikollegen täglich einsatzbereit sind – ob bei der Suche nach Vermissten, bei der Aufdeckung von Straftaten oder beim Schutz der Einsatzkräfte. Im Gespräch erzählt Reto, wie anspruchsvoll die Ausbildung der Hunde ist, was ihn an seiner Arbeit fasziniert und weshalb auch seine Familie bei dieser Aufgabe mitziehen muss.

Wie ist eure Abteilung aufgebaut?

Reto Wehrle: Seit der Pensionierung meines Vorgängers Peter Rohner im Jahr 2024 bin ich der Leiter des Diensthundewesens und dem Hauptabteilungsleiter der Sicherheitspolizei direkt unterstellt. Insgesamt gibt es 27 Hundeführerinnen und Hundeführer. Rund 20 bis 30 Prozent der dienstlichen Arbeitszeit wird von den Mitarbeitenden mit einem Hund für das Diensthundewesen aufgewendet. In der Regel wird ein- bis zweimal pro Woche trainiert. Hinzu kommt sehr viel private Trainingszeit, gerade in der Anfangsphase.

Wie läuft die Ausbildung eines Diensthundes ab?

Reto Wehrle: Die Ausbildung dauert zweieinhalb bis drei Jahre. Wir übernehmen die Hunde als Welpen und führen sie stufenweise heran, von der Junghundegruppe bis zu den Einsatztests. Es gibt drei Prüfungsstufen. Den ersten Test absolvieren beispielsweise die Schutzhunde mit etwa acht bis zwölf Monaten, beim zweiten sind sie zwischen 13 und 24 Monaten alt und der dritte folgt zwischen 25 und 36 Monaten. Nach bestandener Stufe 3 ist der Hund im Kanton St.Gallen einsatzfähig. Danach folgt der Ostpol-Einsatztest, der ihn für Einsätze in der ganzen Schweiz qualifiziert. Die Prüfungen sind sehr anspruchsvoll und oft ist der Hundeführer dabei nervöser als der Hund.

Und wem gehört der Hund eigentlich?

Reto Wehrle: Der Hund gehört dem Hundeführer oder der Hundeführerin. Er oder sie bezahlt ihn deshalb auch selbst. Nach der bestandenen Wesensüberprüfung, was mit etwa 18 Monaten der Fall ist, erhält der Hundeführer oder die Hundeführerin eine Entschädigung sowie Futtergeld. Besteht der Hund die Prüfung nicht, muss sich der Hundeführer entscheiden, ob er ihn privat behält oder einen neuen Diensthund übernimmt.

Was wird bei dieser Wesensüberprüfung genau überprüft?

Reto Wehrle: Wir wollen wissen, ob der Hund alltagstauglich ist. Zeigt er übermässige Angst oder Aggressionen, ist er ungeeignet. In verschiedenen Situationen testen wir sein Verhalten und achten darauf, ob er ruhig bleibt, aufmerksam reagiert oder überfordert ist. Solche Tests zeigen viel über die Persönlichkeit des Hundes.

Welche Arten von Diensthunden gibt es bei euch?

Reto Wehrle: Grundsätzlich verfügen wir über Personenspürhunde und Schutzhunde. Erstere sind die Profis, wenn es um die Vermisstensuche geht. Die Aufgabe der Schutzhunde hingegen ist es, den Hundeführer zu schützen, flüchtende Täter zu stellen oder Gebäude abzusuchen. Nach bestandenem Einsatztest erhalten alle Schutzhunde eine Zusatzaufgabe, zum Beispiel als Betäubungsmittel- und Notengeldspürhund, als Brandmittelspürhund, als Sprengstoffspürhund oder als kriminalistischer Ermittlungshund. Normalerweise arbeiten wir immer mit sogenannten Kombihunden, die in zwei Bereichen eingesetzt werden können. Diese Handhabung ist darauf zurückzuführen, dass Schutzhunde körperlich stark gefordert sind und deshalb meist nur acht bis zehn Jahre einsatzfähig sind. Spürhunde hingegen können länger arbeiten, weshalb die Ausbildung der Hunde in zwei Bereichen ein grosser Vorteil ist.

Welche Einsätze bleiben dir besonders in Erinnerung?

Reto Wehrle: So vielfältig wie unsere Hunde und ihre Fähigkeiten sind auch unsere Einsätze. Besonders eindrücklich und schön sind die Momente, in denen man vermisste Personen findet und dadurch unter Umständen ihr Leben rettet. Auch das Anhalten oder Auffinden einer Täterschaft dank der Zusammenarbeit mit dem Hund sind immer Erfolge, auf die man stolz ist. Als Hundeführende dürfen wir stets spannende und auch herausfordernde Aufträge meistern.

Wie stark arbeitet ihr mit anderen Korps zusammen?

Reto Wehrle: Sehr eng. Wir trainieren und arbeiten gemeinsam mit Kolleginnen und Kollegen vom Ostpol, mit dem Schweizerischen Polizeihundeführer-Verein und dem Polizeihundeführer-Verein St.Gallen-Appenzell. Unsere Personenspürhunde sind oft auch in Zürich im Einsatz, die Brandermittlerhunde sogar in der ganzen Schweiz. Die Arbeit mit anderen Korps ist also ebenfalls allgegenwärtig. Im vergangenen Jahr hatten wir rund 600 Einsätze. Der grösste Anteil entfällt dabei auf die Personenspürhunde.

Du hast selbst mehrere Polizeihunde. Was sind das für Hunde und in welchen Bereichen sind sie ausgebildet?

Reto Wehrle: Momentan habe ich drei Hunde: Gasira, eine deutsche Schäferhündin und ausgebildete Sprengstoffspürhündin; Gioja, ein Beagle und ausgebildete Personenspürhündin sowie Qhana, ebenfalls eine Schäferhündin, die mit fünf Monaten noch in der Ausbildung zur Sprengstoffspürhündin ist. Insgesamt hatte ich in meiner polizeilichen Laufbahn sechs Hunde – angefangen 2006 mit meiner ersten Schäferhündin Goja, gefolgt von Mantova und Gismo.


Reto Wehrle mit Gasira

Wie funktioniert das Familienleben mit Diensthunden?

Reto Wehrle: Ich bin verheiratet und habe zwei Kinder und vier Katzen, wobei sich meine Hunde mit allen verstehen. Dabei ist es wichtig, dass die Hunde beispielsweise auch meiner Familie gehorchen, sonst wäre das Familienleben mit Hunden nicht möglich. Wenn die Familie beim Projekt Hund nicht mitziehen würde, wäre meine Funktion nicht denkbar. Schliesslich ist ein Diensthund immer präsent. Er gehört zur Familie. Auf der anderen Seite ist er auch ein Arbeitstier. Der Hund muss tagtäglich einen Spagat machen. Einerseits soll er lieb und sozial sein, andererseits im Ernstfall kompromisslos handeln – keine einfache Aufgabe.

Was sind deine Aufgaben als Leiter des Diensthundewesens?

Reto Wehrle: Ich bin dafür verantwortlich, dass wir genügend Hundeführerinnen und Hundeführer haben, die Ausbildungen funktionieren und der Ausbildungsstand stetig überprüft wird. Ich betreue die Instruktoren und instruiere teils selbst, plane Trainings, kümmere mich um das Material und koordiniere unsere Dienststelle mit Ostpol und weiteren Stellen schweizweit. Etwa die Hälfte meiner Arbeit ist mittlerweile administrativ, auf der anderen Seite bin ich auch mit meinen eigenen Hunden einsatzfähig und stets bereit, wenn der Einsatz eines Hundeführers gefragt ist. Zudem haben wir eine Dienstleistungsvereinbarung mit dem Veterinäramt für die Überprüfung aggressiver Hunde. Dabei unterstützt mich mein Stellvertreter Pascal in allen Bereichen.


Reto Wehrle mit Gioja

Was fasziniert dich an deiner Arbeit am meisten?

Reto Wehrle: Primär ist es natürlich die Arbeit mit den Hunden, was mir besonders gefällt. Zu sehen, was sie leisten können, ist unglaublich. Jeder Hund ist anders, so, wie wir Menschen. Bei der Arbeit mit Hunden lerne auch ich ständig dazu und muss mich immer wieder anpassen. Diese Kombination aus Tierarbeit, Einsätzen und strategischer Führung macht meinen Job einzigartig.

Erzählst du unserer Leserschaft noch einen spannenden Fun Fact über Diensthunde?

Reto Wehrle: Hunde können eine Fährte nur in Gehrichtung eines Menschen aufnehmen und diese nicht rückwärts verfolgen. Der Grund dafür ist, dass der Hund den Geruch der gesuchten Person wahrnimmt, welche eine zeitliche und räumliche Ordnung hat und automatisch der stärkeren und frischeren Spur folgt. Einen Beschuldigten haben wir aufgrund der aufgenommenen Fährte bei sich zuhause ausfindig gemacht. Nach anfänglichem Leugnen seiner Anwesenheit am Tatort konfrontierten wir ihn mit der Tatsache, dass die Hunde seiner Fährte bis zu seinem Haus gefolgt seien. Darauf meinte er sich zu erinnern, dass er am Morgen von zuhause los- und an besagtem Tatort vorbeigegangen sei. Damit hat er sich selbst verraten, denn der Mann wusste nicht, dass die Hunde die Fährte nicht rückwärts verfolgen können.


Reto Wehrle mit Qhana

Bereits beim Infoabend fragen die Teilnehmenden, wie sie Hundeführerin oder Hundeführer werden können. Wie funktioniert das genau?

Reto Wehrle: Die Stellen werden jeweils intern ausgeschrieben. Man muss eine abgeschlossene Polizeiausbildung und einige Jahre Berufserfahrung mitbringen sowie überaus einsatzbereit und verfügbar sein. Wichtig ist die Bereitschaft, sich langfristig zu engagieren. Ein Diensthund bleibt rund zehn bis 15 Jahre Teil des Lebens. Erfahrung mit Hunden ist von Vorteil, aber keine Voraussetzung. Jedoch muss man bereit sein, sich im kynologischen Bereich weiterzubilden, sprich das eigene Wissen über Hunde zu erweitern. Die Funktion der Diensthundeführerinnen und Diensthundeführer ist anspruchsvoll. Wir leisten viel in der Freizeit und rücken oft zu jeder Tages- und Nachtzeit aus – ohne Pikett, aber mit viel Herzblut. Ein herzliches Dankeschön an unsere Diensthundeführerinnen und Diensthundeführer für die grosse Einsatzbereitschaft.

 

Quelle: Kantonspolizei St.Gallen
Bildquelle: Kantonspolizei St.Gallen

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