St. Gallen: Polizei, Feuerwehr und Rettung bereiten sich gemeinsam auf ABC-Gefahren vor

Auf Ereignisse mit atomaren, biologischen oder chemischen Gefahren, sogenannten ABC-Gefahren, ist eine gemeinsame Vorbereitung entscheidend.

Sie sind selten, können Einsatzkräfte jedoch vor besondere Herausforderungen stellen. Aus diesem Grund haben die Kantonspolizei, Stadtpolizei, Feuerwehren und Rettung St.Gallen gemeinsam eine Faltkarte erarbeitet. Das kompakte Hilfsmittel soll Einsatzkräfte für seltene, aber potenziell folgenschwere Ereignisse sensibilisieren und ein gemeinsames Vorgehen in der ersten Einsatzphase unterstützen.

ABC steht für atomare, biologische und chemische Gefahren. International wird häufig der Begriff CBRN verwendet: Chemical, Biological, Radiological and Nuclear.

Wer an die Begriffe denkt, aus denen sich die Bezeichnung ABC-Gefahren ableitet, hat vielleicht zuerst Bilder moderner Kriegsführung, nuklearer Ereignisse oder terroristischer Anschläge vor Augen. Das Spektrum möglicher Ereignisse ist jedoch wesentlich breiter. Dazu gehören beispielsweise Unfälle mit gefährlichen Chemikalien in Industriebetrieben, mit Gefahrgut auf der Strasse oder auf Schienen, der Austritt gefährlicher Stoffe in einem Labor oder Ereignisse mit radioaktiven Quellen.

Seltene Ereignisse erfordern gute Vorbereitung

ABC-Ereignisse gehören glücklicherweise nicht zum Alltag der meisten Einsatzkräfte. Gerade deshalb ist es jedoch wichtig, dass die grundlegenden Verhaltensweisen bekannt sind und im Ereignisfall rasch abgerufen werden können. Vor dem Hintergrund der aktuellen sicherheitspolitischen Lage wurde eine neue Faltkarte erarbeitet, die alle wichtigen Informationen auf einen Blick enthält und sich insbesondere an die Einsatzkräfte der Grundversorgung richtet. Sie sind diejenigen Einsatzkräfte, die oft als Erste vor Ort sind und die Sofortmassnahmen treffen müssen.

Die Kantonspolizei und Stadtpolizei St.Gallen, die Feuerwehr, der Rettungsdienst sowie die Notruf- und Einsatzleitzentrale St.Gallen brachten ihre Erfahrungen und Bedürfnisse in das Projekt ein.

Erkennen, schützen und richtig alarmieren

Die Faltkarte soll keine Spezialausbildung ersetzen. Sie vermittelt vielmehr die wichtigsten Grundsätze für die erste Phase eines möglichen ABC-Ereignisses. Im Zentrum stehen das frühzeitige Erkennen möglicher Gefahren, der Eigenschutz der Einsatzkräfte und die rasche Alarmierung der zuständigen Stellen. Die Karte zeigt unter anderem typische Hinweise auf eine mögliche ABC-Gefahr auf, erklärt grundlegende Verhaltensregeln und gibt Hinweise zum Erkennen von Gefahrguttransporten.

Ein weiterer Schwerpunkt liegt auf dem Umgang mit einer möglichen Kontamination. Dabei geht es nicht nur um die Einsatzkräfte selbst, sondern auch um betroffene Personen sowie Patientinnen und Patienten. Eine Verschleppung gefährlicher Stoffe soll möglichst verhindert werden.

Auch die Meldung an die Notruf- und Einsatzzentralen wird thematisiert. Informationen über den Ereignisort, sichtbare Kennzeichnungen, mögliche Stoffmengen, Symptome bei Menschen oder Tieren sowie die Windrichtung können für das weitere Aufgebot und die Einsatzplanung von entscheidender Bedeutung sein.


Faltkarte ABC-/CBRN-Gefahren

Spezialisten übernehmen die weitere Bewältigung

Eine der wichtigsten Botschaften der neuen Faltkarte lautet: Die Einsatzkräfte der Grundversorgung müssen eine mögliche Gefahr erkennen, sich und andere schützen und die richtigen Spezialkräfte beiziehen. Die eigentliche Bewältigung eines ABC-Ereignisses erfolgt durch entsprechend ausgebildete und ausgerüstete Fachkräfte. Entscheidend sind funktionierende Schnittstellen zwischen den Blaulichtorganisationen. Jede Organisation muss ihre eigene Aufgabe kennen und wissen, welche Aufgaben und Fähigkeiten die beteiligten Partner übernehmen. Nur so können Informationen im Ernstfall rasch weitergegeben und die notwendigen Massnahmen zielgerichtet eingeleitet werden.

Die neue Faltkarte schafft dafür eine gemeinsame Grundlage. Durch die organisationsübergreifende Erarbeitung kennen die beteiligten Blaulichtorganisationen dieselben zentralen Grundsätze und können sich im Ereignisfall auf ein abgestimmtes Vorgehen stützen – oder anders formuliert: Sie sprechen dieselbe Sprache. Gerade wenn es schnell gehen muss, ist das entscheidend.

Zusammenarbeit als Schlüssel

ABC-Ereignisse können sehr unterschiedliche Ursachen und Auswirkungen haben. Ihre erfolgreiche Bewältigung ist deshalb immer Teamarbeit. Entscheidend ist deshalb, dass im Ernstfall klar ist, wer welche Aufgaben übernimmt, und zwar vom Schutz über die Alarmierung bis hin zur weiteren Bewältigung.

 

Quelle: Kantonspolizei St.Gallen
Bildquelle: Kantonspolizei St.Gallen

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