„Roter Himmel“ fordert Zivilschutz: 60 Einsatzkräfte & 19 Schulkinder proben Ernstfall

(Kreuzlingen TG). Ein Waldbrand, evakuierte Schulkinder und eine Nacht weg von zu Hause: Mit der 24-Stunden-Übung „Roter Himmel“ hat die Zivilschutzorganisation (ZSO) Kreuzlingen den Ernstfall geprobt.

Rund 60 Zivilschutzangehörige standen im Einsatz. Mittendrin waren 19 Kinder einer Lengwiler Schulklasse als Figuranten.

Das Wichtigste auf einen Blick

  • Übung: „Roter Himmel“
  • Dauer: 24 Stunden
  • Szenario: Waldbrand, Evakuation und Betreuung der Bevölkerung
  • Einsatz: Rund 60 Zivilschutzangehörige
  • Figuranten: 19 Kinder einer Lengwiler Schulklasse
  • Übernachtung: Kinder im Schulhaus, Zivilschutz in der Bereitstellungsanlage Raichle
  • Ziel: Prozesse optimieren, Schwachstellen erkennen und realitätsnah üben
  • Vorbereitung: Eine Arbeitsgruppe plante die Übung seit Oktober 2025

Mit der Handpumpe gegen das „Feuer“

Mit der Handpumpe gilt es, das Feuer zu löschen. Zum Glück brennt bei den Lengwiler Weihern kein echtes Haus.

Das „Feuerhaus“ ist eine von mehreren Stationen eines Postenlaufs, den die Schülerinnen und Schüler am Dienstagnachmittag absolvieren.

Begleitet und teilweise chauffiert werden sie in kleinen Gruppen jeweils von zwei Zivilschützern.

Waldbrand bedroht mehrere Ortschaften

Was für die Kinder wie eine Schnitzeljagd daherkommt, ist Teil der gross angelegten Zivilschutzübung „Roter Himmel“.

Das Szenario: Ein Waldbrand bedroht mehrere Ortschaften, Menschen müssen evakuiert und betreut werden.

Die Fünftklässler aus Lengwil übernehmen die Rolle einer evakuierten Schulklasse.

Nach der Ankunft an einer Sammelstelle in Tägerwilen werden die Kinder nach Lengwil gebracht, wo sie später auch im Schulhaus übernachten.




Spielerisch den Bevölkerungsschutz kennenlernen

Der nachmittägliche Postenlauf wurde von der Übungsleitung eigens für die Schülerinnen und Schüler entwickelt.

An den verschiedenen Stationen lernen sie auf spielerische Weise die Partnerorganisationen des Bevölkerungsschutzes kennen: Polizei, Feuerwehr, Gesundheitswesen, technische Betriebe und Zivilschutz.

Ein Höhepunkt dabei: Ein Kantonspolizist gibt Einblick in seine Arbeit und zeigt ihnen den Streifenwagen.

Eine weitere Station bildet der Notfalltreffpunkt, den die Gemeinde Lengwil im Rahmen der Übung betreibt.

Dort erfahren die Kinder, dass er der Bevölkerung in einer Notlage als Anlaufstelle für Informationen und Hilfe dient.

Schnitzeljagd verschafft dem Zivilschutz Zeit

Die Schnitzeljagd beschäftigt aber nicht nur die Kinder.

Sie verschafft dem Zivilschutz Zeit, die Verpflegung und weitere Betreuung zu organisieren sowie die Schlafplätze vorzubereiten.

Gleichzeitig ist sie selbst Teil der Übung: Die begleitenden Zivilschützer stehen laufend mit dem Kommandoposten in Verbindung und melden die Resultate der absolvierten Stationen.

„Wir wollen herausfinden, wo der Schuh drückt“

„Wir wollen herausfinden, wo der Schuh drückt und realitätsnah üben“, erklärt Zivilschutzkommandant Kevin Rüegg.

Gerade Aufgaben und Situationen, die nicht zum üblichen Ablauf gehören, seien kaum planbar.

Und tatsächlich läuft nicht alles nach Plan: Teilweise bereitet der Funkempfang Schwierigkeiten, die Zwischenverpflegung trifft nicht überall wie vorgesehen ein.

Zusätzlich beeinflussen an diesem Nachmittag Dreharbeiten und die damit verbundene Strassensperrung zwischen Lengwil und Siegershausen den Übungsablauf erheblich – mit der Sperrung selbst hat der Zivilschutz allerdings nichts zu tun.

„Kommunikation ist das A und O“, sagt Rüegg.

Im Kommandoposten laufen die Fäden zusammen

Im Depot Siegershausen werden Journale geführt, Aufträge verteilt, Anträge gestellt und Transporte koordiniert.

In der Transportzentrale können die Disponenten die Standorte der Fahrzeuge auf einem Bildschirm live verfolgen.

Für die Stabskompanie der ZSO Kreuzlingen ist es eine Premiere.

„Wir üben zum ersten Mal in dieser Dimension“, sagt Kommandant-Stellvertreter Matthias Ganz.

Ziel sei es, Prozesse zu optimieren und blinde Flecken aufzudecken.

„Wir sind rasch einsatzfähig, müssen uns aber die Routine holen.“

60 Zivilschützer während 24 Stunden im Einsatz

Rund 60 Zivilschutzangehörige stehen während der 24 Stunden im Einsatz und übernachten in der Bereitstellungsanlage Raichle.

Für Kommandant Rüegg ist es die bisher grösste Übung dieser Art.

Entsprechend gross ist der Aufwand: Seit Oktober 2025 hat eine Arbeitsgruppe die Übung vorbereitet.

Auch vermeintlich alltägliche Aufgaben wie die Verpflegung werden zur Herausforderung, wenn rund um die Uhr zahlreiche Personen versorgt werden müssen.

„Roter Himmel“ liefert wichtige Erkenntnisse

Genau deshalb wird geübt. Der Zivilschutz soll bereit sein, wenn die Bevölkerung ihn braucht.

Für die Schulkinder wird „Roter Himmel“ zu einem aussergewöhnlichen Erlebnis: Sie haben Spass bei der Schnitzeljagd, verbringen gemeinsam eine Nacht im Schulhaus und kehren am nächsten Morgen wieder in den Schulalltag zurück.

Nebenbei lernen sie, welche Organisationen im Notfall für sie da sind.

Nach Abschluss fällt die Bilanz von Kommandant Rüegg positiv aus: „Die Übung war ein voller Erfolg. Sie hat bestätigt, dass wir auch in anspruchsvollen Lagen ein verlässlicher Partner sind, und uns zugleich wichtige Erkenntnisse für die künftige Ausbildung geliefert.“

 

Quelle: Stadt Kreuzlingen
Bildquelle: Stadt Kreuzlingen

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